Besichtigung des neuen Schunk-Turms durch die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Heimat- und Geschichtsvereins Heuchelheim-Kinzenbach e.V. und die Geschichte des Turmes
Aus dem Archiv des Heimat- u. Geschichtsvereins im Heimatmuseum hatte Werner Rinn dem verantwortlichen Bauleiter des neuen Schunk-Turms, Joachim Merte, einige Bilder der Vorgängertürme und ursprünglichen Windhof-Gaststätten für eine Präsentation zur Einweihung des neuen Turms im Dezember 2025 übergeben. Merte, Head of Global Real Estate & Construction Management bei der Schunk Group, hatte dafür im Gegenzug die Verantwortlichen des Heimat- u. Geschichtsvereins bzw. des Heimatmuseums zu einer Besichtigung des neuen Schunk-Turms eingeladen.
Er stellte dabei zunächst die heutige Schunk Group vor, die als international agierender Technologiekonzern breit aufgestellt ist: Neben Produkten aus den Hightech-Werkstoffen Kohlenstoff, technische Keramik und Sintermetall gehören auch Maschinen und Anlagen für Umweltsimulation, Klimatechnik, Ultraschallschweißen und Optikmaschinen zum Portfolio des Unternehmens. Im Folgenden zeigte Merte dann seine Präsentation, die er bereits bei der Einweihung des Turms vorgestellt hatte. Breiten Raum nahm die Erläuterung ein, wie sich der Standort von der Gastwirtschaft an der Westfälischen Chaussee zum Sitz der Schunk Group entwickelt hat.
Eberhard Rinn erbaute 1810 an der damals projektierten Chaussee von Gießen über Gladenbach-Biedenkopf nach Westfalen eine Gastwirtschaft – im Volksmund genannt „Windhof“, wegen der Alleinstellung des Gebäudes an etwas erhöhter, windiger Stelle fernab des Dorfes. Der 1. hohe Windhofsturm wurde 1898 durch Herrn Duill mit einer großen Gastwirtschaft errichtet, die samt Turm 1912 abbrannte. Es wurde danach ein kleinerer rundlicher Windhofsturm wieder aufgebaut. Der Windhof hatte damals eine Haltestelle der Schmalspurbahn „Bieberlies“, die vom Güterbahnhof Gießen, über die Personenbahnhöfe Gießen, Neustadt, Heuchelheim, Bahnhof Abendstern, Rodheim und Bieber verkehrte.
1918 kaufte Schunk & Ebe den Windhof und übersiedelte die Kohlenbürstenfabrik von Fulda nach Heuchelheim. Ein Grund für die Übersiedlung dürfen wohl die großen leerstehenden Gaststättengebäude und der Bahnanschluss der Biebertalbahn gewesen sein. Die Firma Schunk & Ebe erweiterte bis zum 2. Weltkrieg das Werk um mehrere Hallen. Das Schunk-Werk überstand den 2. Weltkrieg unbeschädigt. 1947 verstarb der Firmengründer Ludwig Schunk. Testamentarisch hatte er den Verein, die heutige Ludwig-Schunk-Stiftung, als Alleinerben eingesetzt. Das Firmenvermögen sollte in den Dienst der Mitarbeiter gestellt werden. Neuer Fabrikdirektor wurde Hermann Pfaff, der das Werk weiter ausbaute. 1956 wurde der alte (2.) Windhofsturm abgerissen und ab 1957 durch einen neuen Schunk-Turm ersetzt. Dieser 3. Windhof-Turm entsprach Anfang der 2000er Jahre nicht mehr neuesten Brandschutzrichtlinien und durfte in seinen oberen Stockwerken nicht mehr genutzt werden. Es entstand dann der Plan, den Schunk-Turm zu revitalisieren, sodass er wieder den Brandschutz- und weiteren Bauvorschriften entsprach. Es wurde dann nach Teilabbruch des alten Turms mit dem Aufbau eines vier Meter höheren Turms (35 m hoch) begonnen. Der neue Schunk-Turm (4. Windhofsturm) mit dunklerer Fassade ist damit nur einen Meter niedriger gegenüber dem Turm der Heuchelheimer Martinskirche.
Zum Abschluss fuhr die Besuchergruppe hinauf zur Aussichtsplattform des neuen Schunk-Turms auf 27 Metern – mit seiner guten Aussicht auf die Umgebung bis zum Vogelsberg, dem großen Feldberg im Taunus, das Gladenbacher Bergland mit Dünsberg und die Windräder bei Hohensolms sowie das Lahntal mit der Stadt Gießen, Heuchelheim und Kinzenbach. Die Teilnehmer der Besichtigung dankten Joachim Merte für seine Präsentationen und die Führung durch den neuen Schunk-Turm.
Heimat- und Geschichtsverein Heuchelheim-Kinzenbach e.V. Arbeitskreis Ortsgeschichte
Foto: "Schunk Group"